Suesse-Suenden
Cupcakes, Cheesecakes, Pies & Co.

Süße Sünden


Originale Rezepte aus der Londoner Kultbäckerei The Hummingbird Bakery

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Kochbuch-Rezension

Der Hintergrund

Nachdem durch die beiden Ottolenghi-Bücher, die ebenfalls im DK-Verlag erschienen sind, bereits 2011 und 2012 eine Londoner „Institution“ deutschsprachigen Koch- und Backbegeisterten näher gebracht worden ist, folgt nun mit den „Süßen Sünden“ die Hummingbird Bakery.

Diese wurde 2004 in der Portobello Road eröffnet, wobei der Inhaber Tarek Malouf den Londonern die Freuden der amerikanischen Backtradition vermitteln wollte. Dies gelang ihm derart erfolgreich, dass es inzwischen fünf Bakery-Filialen in verschiedenen Londoner Bezirken gibt.

Bislang wurden zwei Bücher publiziert, das „The Hummingbird Bakery Cookbook“ und die „The Hummingbird Bakery Cake Days“, wobei letzteres nun in der deutschsprachigen Ausgabe vorliegt.

Die Ankündigung auf dem Einband verheißt einiges:

“Törtchen für den Liebsten zum Valentinstag, fruchtige Sommerkuchen und Knabberriegel fürs Picknick, Cakes gegen Liebeskummer und Regenwetter-Blues, Köstlichkeiten für die stilvolle Tea Time und Kuchen die nach Weihnachten duften – die Bäcker der Hummingbird Bakery versüßen mit ihren Rezepten das Leben.

Mehr als 100 wunderbare Ideen für Whoopie Pies, Cupcakes, Cookies, Cheesecakes und mehr.“

Meine Neugier auf das Buch wurde neben meiner allgemeinen Backbegeisterung durch die Intention des Gründers geweckt: als Berlinerin fühlte ich mich etwas an Cynthia Barcomi erinnert, die hier eine Kaffeerösterei und ein Deli betreibt und ihre amerikanischen Back- und Kochkünste nicht nur durch ihre Läden sondern auch durch ihre Bücher vermitteln will.

Da mir vor allem ihre beiden Backbücher viel Spaß bereitet haben, stand für mich fest, dass nun die „Süßen Sünden“ unbedingt ausprobiert werden mussten.

In der Tat fanden sich dann auch manche Überschneidungen (Snickerdoodles, Red-Velvet-Cake …), abgesehen von der Grundidee, Freude an der amerikanischen Art zu backen zu vermitteln, gab es aber auch sehr merkliche Unterschiede (mit Blick auf die gewählte Gliederung und die Präsens der jeweiligen Autoren).

Das Buch

Das Buch präsentiert sich in der gewohnten DK-Qualität.

Der Hardcovereinband besteht teils aus Leinen – aus meiner Sicht nicht unbedingt glücklich. Dies allerdings nicht unter ästhetischen Gesichtspunkten, sondern weil hier die Fleckenempfindlichkeit doch recht hoch ist.
Das Format ist mit 25×20 cm handlich, die Papier- und Druckqualität sind tadellos.

Bereits beim ersten Durchblättern macht das Buch sehr viel Spaß und weckt vor allem die Lust, sich möglichst bald ans Nachbacken zu machen.

Das Inhaltsverzeichnis gliedert sich – entsprechend der Intention des Buches, das an den Festen des Jahres orientierte Angebot der Bakery wiederzuspiegeln – wie folgt:
Valentinstag, Frühlingsgebäck, Muttertag & Vatertag, Ostern, Sommer auf dem Kuchenteller, Für besondere Anlässe, Trost für verregnete Tage, Halloween, Weihnachten.
Dem schließen sich „Basics für Bäcker“, „Dekorieren und Verzieren“ und „Bezugsquellen“ an.

Dies erschwert freilich etwas das schnelle Wiederauffinden bestimmter Rezepte, da sich beispielsweise Cupcakes in allen Kapiteln finden -  für eine schnelle, gezielte Suche muss dann doch auf das Register zurückgegriffen werden. Dieses ist allerdings übersichtlich gestaltet und gut strukturiert.

In jedem Kapitel finden sich Varianten von Cupcakes, Cookies, Schichttorten, Cheesecakes und Whoopie Pies, teils Klassiker, teils neue Ideen.

Zwar wiederholen sich vereinzelt Grundzutaten beispielsweise bei den Cupcakes – dies ist aus meiner Sicht aber kein wirklicher Mangel, da gleichwohl bei den Variationen der Füllungen und Toppings viele Ideen geboten werden.

Nahezu jedes Rezept ist mit einem ganzseitigen Foto versehen – die Abbildungen sind unter künstlerischen Gesichtspunkten vielleicht nicht der letzte Schrei an Foodfotographie aber gleichwohl sehr abwechslungsreich gestaltet und machen selbst nach einigem Durchblättern noch immer großen Spaß beim Anschauen.
Obwohl das Buch mit der Aufschrift „Kultbäckerei“ versehen ist, wird hier kein Kult um die Bäckerei als solche betrieben, sondern das Buch wirkt letztlich wie eine einzige Kuchentheke angefüllt mit lauter süßen Sünden. Der Fokus ist bei den 112 Farbfotografien ausschließlich auf die Backwerke gerichtet, weder findet sich eine Präsentation der Bakery als solcher noch werden hier die Menschen abgebildet, die dort wirken. Lediglich die für die Bakery typischen Farben, die hier im Buch gestalterisch eingesetzt werden, stellen einen Bezug zu den Läden her – alle, die die Bakery nicht in Natura kennen, können zumindest auf ihrer Website das farbliche Konzept wiedererkennen.

Die Rezepte sind übersichtlich gestaltet, jeweils am linken Seitenrand findet sich eine Auflistung der benötigten Zutaten, untergliedert beispielsweise nach Boden, Teig, Füllung, Frosting, benötigten Utensilien usw..
Dass auf Nährwertangaben verzichtet wurde, ist angesichts des Buchtitels keine Überraschung.
Selbst erfahrene Bäcker sollten sich allerdings noch einmal die Backtipps durchlesen, hier finden sich Angaben beispielsweise zur Größe der Eier, Muffin-Formen etc.
Nur selten werden eher exotischere Zutaten benötigt, auch hier hilft dann der Anhang weiter, wo sich Bezugsquellen finden.

Die Rezepte finden fast ausnahmslos jeweils auf einer Seite Platz und sind nach kurzen Einleitungen übersichtlich und verständlich nach den einzelnen Arbeitsschritten untergliedert. Vereinzelt sind die Rezeptseiten nicht weiß sondern mit unterschiedlichen Hintergrundfarben gestaltet – dies sieht schön aus und macht das Buch abwechslungsreicher, allerdings leidet ganz vereinzelt je nach Farbe auch die Lesbarkeit etwas darunter.
Angaben zur Zubereitungsdauer insgesamt finden sich nicht, dies kenne ich aus den Barcomi-Büchern allerdings auch nicht anders.

Hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades bewegen sich die Rezepte eher im leichteren bis mittelschweren Bereich, allerdings ist das Buch kein Lern- und/oder Nachschlagewerk, zumindest gewisse Grundkenntnisse sollten vorhanden sei.
Eingefleischte Cupcake-Bäcker werden sich hier sicherlich unterfordert fühlen – insbesondere was die Verzierungen und die diversen Dekorationsmöglichkeiten angeht, werden hier kaum Überraschungen oder tiefer gehende Ausführungen etwa zur „Tüllenkunde“ geboten.

Kochbuchtest - Selbst gekocht

Schon kurz nach dem Erscheinen machte das Buch in Foodblogs die Runde und wurde bereits dort einem Praxistest unterzogen – vorab daher eine Link-Auflistung einiger Beiträge, so dass auch die Leser/innen dieser Rezension einen zusätzlichen ersten Einblick bekommen können, teils finden sich hier auch noch Bilder von dem Innenleben des Buches.

Ich selbst habe mich als allererstes an der Tarte mit Vanille-Creme und Zimt versucht, ein Rezept, das mich letztlich nicht vollends überzeugt, dafür bei den Testessern erstaunlicherweise umso größere Begeisterung ausgelöst hat.
Wie im Buch angegeben habe ich für den Tarteboden weiche Butter verwendet, letztlich war dieser dann nach dem Backen eher bröselig, was ich schon befürchtet hatte. Ich würde hier eher auf meine altbewährten Tartebodenrezepte zurückgreifen.
Die Vanillecreme hätte jedenfalls für meinen Geschmack noch cremiger ausfallen können, mit dem Zimt erinnerte das vage an Milchreis, ich habe angesichts der Erdbeerzeit hier lieber eine selbst gemachte Erdbeersoße dazu gereicht. Jedenfalls wurde die Tarte von Mann und Kindern an einem Tag vertilgt und es wurde sofort Nachschub verlangt.
Auf ein Rezept zum Nachbacken möchte ich hier angesichts des Hüttenhilfe-Tartebuches allerdings verzichten – dort finden sich aus meiner Sicht gelungenere Varianten.

  • Zitronen-Cupcakes mit Baiserhaube

    Zitronen-Cupcakes mit Baiserhaube

    Als nächstes standen die Zitronen-Cupcakes mit Baiserhaube an – der Grundteig war herrlich fluffig, gefüllt wurden die Cakes mit Lemon Curd (im Rezept heißt es „aus dem Glas“ – da die Qualität doch schwankt, würde ich auch hier lieber auf selbst gemachtes zurückgreifen – ein entsprechendes Rezept im Buch wäre daher noch das I-Tüpfelchen gewesen). Das Ganze dann versehen mit einer Baiserhaube (diese in der Zubereitung etwas komplizierter) – herrlich. Jedenfalls da war es dann auch um mich geschehen.
    Freilich muss ich bei anderen Cupcakes noch das Frosting austesten – hier scheinen ja die Geschmäcker (insbesondere was den Süßegrad angeht) doch sehr zu variieren. Die Schmerzgrenze meiner Mitesser ist da deutlich höher, allein schon beim ersten Durchlesen habe ich mir dagegen in Gedanken als Nachtisch zum Cupcake einen herzhaften Neutralisierer herbeigesehnt.
    Zulegen will ich mir allerdings unbedingt noch eine amerikanische Muffin-Form, bei der die Mulden etwas größer sind. Wie im Rezept angegeben erhält man bei Verwendung der hier üblichen Formen eher 16 Cakes.

  • Whoopie-Pies

    Whoopie-Pies

    Eine Premiere gab es für mich dann mit Whoopie-Pies, die ich bislang noch nie zuvor fabriziert hatte, auch hier gab es dank der Rezeptanleitung keine Probleme, kombiniert mit Obst bzw. bei der Pistazienversion mit Pistazieneis oder schokoladig für die Kinder – sehr lecker, wobei freilich auch hier die Süße-Toleranz einzelner Mitesser schwankte.
    Ob sich die Whoopies allerdings ähnlich der Cookies, Muffins und Cupcakes hier dauerhaft durchsetzen werden, bleibt abzuwarten.

  • Engelskuchen

    Engelskuchen

    Auf der Suche nach einer Erdbeerbeilage habe ich schließlich den Engelskuchen nachgebacken, fluffig ohne Fett, fix gerührt und eine prima Eiweißverwertung.

Kochbuchfazit

Es ist ein schönes, Freude machendes Buch, dessen vereinzelte Schwächen durch das Lese- und Backvergnügen allemal wettgemacht werden.
Obwohl ich das Buch schon einige Wochen habe, genieße ich es noch immer, es einfach nur in die Hand zu nehmen und durchzublättern.
Für Londonliebhaber ist es sicherlich eine schöne Erinnerung/Einstimmung, für Backbegeisterte und Kochbuchliebhaber einfach eine schöne Zusammenfassung diverser, teils neuer Ideen.
Insbesondere Backfans, die sich mit englischsprachigen Büchern etwas schwer tun, aber amerikanisches Leckereien ausprobieren und/oder variieren wollen, werden dankbar über die deutschsprachige Ausgabe sein.
Allerdings sollte die Süße unbedingt jeweils abgeschmeckt werden – um hier den mitteleuropäischen Geschmack zu treffen, würde ich jedenfalls  nach den Erfahrungen beim Austesten noch weiterer Rezepte eher zurückhaltender bei der 1:1-Umsetzung sein.

Vor allem aber eignet sich das Buch wunderbar als Geschenk – der Preis von 19,95 € hält sich im Rahmen und die damit gemachte Freude wird hoffentlich groß sein.


Süße Sünden

Cupcakes, Cheesecakes, Pies & Co.

Autor: Tarek Malouf und die Hummingbird Bakery
Originaltitel: THE HUMMINGBIRD BAKERY CAKE DAYS
ISBN13: 978-3831021314
Erstveröffentlichung: 2012 (Deutschland), 2011 (englische Originalausgabe)
Website: Link zur Website
Fotograf: Kate Whitaker
Hardcover, teils Leinen, 256 Seiten



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Eine Antwort zu “Süße Sünden”

  1. Anne sagt:

    Den Guinness-Schoko-Kuchen hab ich in der Zwischenzeit im Übrigen auch schon gebacken. Auch sehr gut angekommen. Da es eine Testtorte war, konnte ich selber gar nicht probieren, aber die Testesser waren sehr begeistert. Ich hatte noch ein bisschen Teig übrig und habe Cupcakes daraus gemacht und die waren auf jeden Fall auch sehr lecker.

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